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Wellenrauschen



Wellen brechen gleichmäßig ans Ufer.
Eine Geräuschkulisse, die beides ist: Konstanz, durch die stetige Wiederholung und das gleichmäßige Rauschen, und Veränderung durch da An- und abschwellen des Tones. Eine Art Jin Yang. Ist es das, was ihn am Meer so faszinierte?
Dass es scheinbar tiefgreifende philosophische Bedeutung hat – oder besser, dass wir Menschen ihm eine solche nur allzu leicht und gerne zurechnen können?
Oder ist es nur die allgemeine Verbundenheit mit dem Wasser, welche unsere Gattung besitzt?
Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass er am Meer seine Ruhe vor den Menschen findet. An abgelegenen Stränden, fern von Hotels und Fast Food, verirren sich selten Leute. Erst recht dann, wenn das Wetter nicht dem Ideal entspricht; Warum an den kühlen Strand, wenn es doch im Fernsehen perfekte Sonne gibt – den ganzen Tag, die ganze Nacht.
Er drehte sich um und betrachtete seine Spuren im Sand. Eine nach der Anderen, jede ein Einzelnes, jede zwei Schritte weiter widerkehrend. Und Alle zusammen ein gleichförmiges Ganzes, das weiter reicht, als er sehen konnte. Gleichsam den Wellen, wessen Spuren sie auch sein mögen.
Lässt sich nicht Alles so betrachten Das Individuum, die Gruppe, das Ganze – wo bleibt da das Besondere?
Vermutlich an der Stelle, an der er sich umgedreht hatte. In der gleichförmigen Reihe ist ein Knoten entstanden.
Mehrere Abdrücke, die aus der Reihe tanzen, oder liegt der Grund im Gesamtbild, das sich ändern wollte?
Auf jeden Fall liegt es schon viele weitere Schritte zurück, wieder fast außer Sichtweite. An einem nun fremden Ort, in einer hier vergangenen Zeit.
Er setzte sich auf einen Stein und schaute aufs Meer hinaus, während er versuchte, die unsinnigen Fragen aus seinem Kopf zu verdrängen. Hatte er sich gesetzt, weil der Stein da war, oder war der Stein da, weil er sich setzen wollet? Oder wollte er sich auf einen Stein setzen, weil der Stein da sein wollte? Und wo liegt der Grund für das Alles, wo der Sinn? Und wo der Unterschied, wenn er am Ende doch da saß, so oder so
Und warum dachte er überhaupt über solche Sachen nach, wo es doch viel wichtigere Dinge gibt?
Sind diese Fragen die Knoten im Gesamtbild seiner Gedanken? Vermutlich Gordische Knoten. Und kein Schwert, um ihn zu zerschlagen, nur die endlosen Weiten des Meeres.